Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?
I. Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) stellte die Frage „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“ (1714), da er davon ausging, dass Nichts einfacher ist als Etwas. Die Antwort liegt für ihn im „Satz vom zureichenden Grund“: Nichts existiert ohne Grund. Da die Welt nicht notwendig ist, muss ihr Grund in einem notwendigen Wesen – Gott – liegen, der die „beste aller möglichen Welten“ erschaffen hat. Nach Leibniz liegt im Möglichen selbst eine Tendenz, Wirklichkeit zu werden. Wenn kein Grund gegen die Existenz spricht, ist das Sein dem Nichtsein vorzuziehen.
II. Parmenides (~ 500 vC) : Sein ist „Eins“, Einheit, Beständigkeit; Vielheit bedeutet Veränderung, Nichtigkeit – IST nicht. ‚Nicht-Sein‘ ist nicht widerspruchsfrei zu denken.
II. Platon (428 – 348 vC): Wissen / Erkenntis richtet sich auf wahres Sein. Meinung, Schein dagegen ist trügerisch, nichtig. Gewisse Erkenntnis ist möglich, sofern Wissen am ewigen / unveränderlichen Reich der Ideen teilhat. Unsterbliche Seele ist das Bindeglied zwischen Vergänglichkeit des Lebens und Unvergänglichkeit der Welt der ‚Urbilder‘ / Ideen.
IV. Aristoteles (384 – 322 vC): Zentral für seine Metaphysik sind die Begriffe „noësis noëseos“ und „kinesis / kinoun akinetos“: Das ’unbewegt Bewegende’ begründet Sein und Erkenntnis als ‚Selbsterkenntnis des Erkennenden und Erkannten‘ (noësis noëseos). Im Erkennen des Geistes (nous) konstituiert sich das, was wirklich IST gegenüber dem Nichtwissen / Nichtsein. Geist, Vernunft (nous) ist der Grund und das Ziel, Ermöglichung und Verwirklichung des Seins der Welt (Kosmos) und alles Seienden überhaupt. Als konkrete Gestalt des Lebens ist die Seele (psyché; anima) das Strukturprinzip, die innere ‚Form‘ des Körpers.
V. „damit Gott sei alles in allem.“ Paulus 1. Kor 15, 28 (54/55 nC): „So wird Gott der Herr sein – über alle und in allem.“ Gottesglaube als Umschreibung einer umfassenden Finalität, eines „Sinns“ der Welt als Ganzer.
VI. Personale Gottheiten: „Wenn die Pferde Götter hätten, sähen sie wie Pferde aus“ (Xenophanes ~ 580 vC, → Feuerbach, Wesen der Religion, 1849 )
Ausführung:
Sein als ‚Überfließen‘ (Ex-istenz) des Daseins aus dem Nichts, dem Nichtsein. (vgl. Energiefluktuationen des leeren Raums)
Leben ist das ‚Überfließen‘ des Seins in den Sinn (Geist / Vernunft), in die Ordnung: Welt ist Kosmos, nicht Chaos. Leben ist ‚Innenseite‘ des Kosmos durch Selbsterhaltung / Reproduktion des Lebendigen (energetische Anomalie des Organischen); = Vernunft und ‚Sinn‘ des geordneten, „kosmischen“ Seins.
„Gott“ (Nous) kann philosophisch / metaphysisch als Inbegriff des lebendigen Seins verstanden werden. Ziel / Zweck / Finalität aller Erkenntnis ist die Vernunft = Wahrheit und Schönheit und Güte des Seins. Der Geist der Erkenntnis und des Wissens ‚weht‘ in allem Leben, in der Welt als Kosmos insgesamt. Die metaphysische Rede vom „Geist (Gottes)“ fasst Sein und Leben, Wirklichkeit und Wahrheit der Welt zusammen.
Das Nichts aber ‚in-sistiert‘, es „nichtet“ (Heidegger) als Abfall, Ausgang, Grenzwert des Seins.
Siehe auch:
Das Leben ist eigentlich eine Anomalie, weil geschlossene physikalische Systeme, wie auch lebende Wesen sie sind, immer der Auflösung entgegentaumeln. Es geht so gesehen immer nur bergab – und Leben stemmt sich solcher Auflösung entgegen. Das ist aber keine sehr befriedigende Beschreibung, weil sie zwar physikalisch korrekt ist, aber so natürlich niemand lebt. ( → Entropie)
Gerd Kempermann https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/diese-tipps-hat-ein-altersforscher-fuer-ein-langes-gesundes-leben-accg-200734807.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz
https://en.wikipedia.org/wiki/Parmenides
https://de.wikipedia.org/wiki/Platon
https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles
https://de.wikipedia.org/wiki/Paulus_von_Tarsus
https://de.wikipedia.org/wiki/Xenophanes
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Feuerbach
© Reinhart Gruhn Mai 2026 CC 4.0 BY-SA