Jan 272014
 

[Philosophie]

Bei der Beschäftigung mit Texten aus der philosophischen Diskussion der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl der Fremdheit. Es sind grundlegende Texte zu Debatten, die in den sechziger bis neunziger Jahren die Gemüter diesseits und vor allem jenseits des Atlantiks erregt haben. Berichte von Forschungsprojekten und Tagungen. Heute vielfach Standardliteratur. Aufsätze, die man in Sammelbänden abgedruckt findet. Namen, die einem immer gleich einfallen, wenn man an Philosophen jener Zeit denkt. Meinungsführer, die Zustimmung oder Kopfschütteln ernteten, beides jeweils heftig. Debatten, deren Themen auch heute eigentlich keine Aktualität vermissen lassen. Erkenntnis, Realität, Sprache, Geist. Konstruktion und Skepsis. Antimetaphysische Nüchternheit. Logik. Computer. Begriffe und Sätze. Und Willensfreiheit, Ethik, verstreut und am Ende jener Zeit. Halt alles noch Moderne und / oder / dann Postmoderne.

Fragezeichen.

Mir fällt eine gewisse Enttäuschung auf. Interessante Themen und Fragestellungen, klug durchdachte Antworten, Ansätze, Ausführungen. Anknüpfung an Grundsätzliches aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts. Zum Teil Hinweise auf neue Denkweisen, überhaupt auf Systeme und Funktionen. Die Bedeutung sozialer Konstruktion. Diskurs. Macht. Nichts davon ist irrelevant geworden. Nichts davon ist unwichtig. Nichts davon ist überholt, erledigt, gelöst. Aber eben auch keine neue Basis, kein neuer Horizont. Eher irgendwie ausgelaufen, veraltet, manches verstaubt, skurril. Abgestandenes. Geistreich, bisweilen an der Grenze des nur Verspielten, Verschrobenen. Schlimmer noch: langweilig. Ohne Idee. Am schlimmsten die Ahnung: Fruchtlos, beliebig. – Sackgasse.

Ich gestehe, dass ich viele noch etwas ältere Texte heute sehr viel spannender, aufregender finde. Texte, die das Denken der Wirklichkeit neu auf die Probe stellen. Alte Texte, aber in der heutigen Zeit mit den jetzigen Erfahrungen und Fragen doch ganz neu, anregend, mit Freude zum Weiterdenken. Kant, Hegel, Heidegger. Ich höre Proteste. Rückwärts gewandte Themen, Nostalgie? Oder neue Klänge und Interpretationen in den Melodien alter Partituren? Abgeklärter und deutlicher herausragend aus den Textbergen und Worthalden der Analytik, der Systeme und Konstruktionen? Spannend auf jeden Fall, „es“ auf dem Hintergrund solcher alten Texte neu zu denken. Oder doch nur Zeichen der Hilflosigkeit in einer verwirrenden Gegenwart der beschrieenen Katastrophen, versteckten Chancen, übermächtigen Cyberwolken?

Ich lese weiter meine jüngeren Texte, auch wenn sie mich langweilen. Quine, Putnam, Rorty, Foucault, Luhmann. Und wohin gehört Sloterdijk? Ins Gestern, ins Heute, ins Feuilleton? Ich weiß, jede Zeit hat ihre Diamanten. Ich suche sie noch.

Jan 102014
 

[Philosophie] Wie von mir öfter zu lesen bin ich gegenüber der analytischen (angelsächsischen) Philosophie des Geistes eher kritisch eingestellt – aus guten Gründen. Das könnte man als Ablehnung der Analytischen Philosophie insgesamt missverstehen. Darum möchte ich hier einmal eine Lanze brechen für die analytische Methode. Die analytische Methode zeichnet sich aus durch möglichst klar definierte Aussagen und logische Schlussverfahren. Eine Behauptung wird aufgestellt und verteidigt. Diese Verteidigung stützt sich auf gute Gründe, die die Behauptung rechtfertigen. Das geschieht mit klar definierten Begriffen und Schlüssen. Nach den Regeln logischen Denkens werden Folgerungen abgeleitet, Implikationen aufgewiesen oder Voraussetzungen geprüft. Um ein solches Verfahren in Gang zu bringen, müssen Probleme und Fragestellungen in eine Folge von Sätzen (Propositionen) umgeformt und zerlegt werden. Erst dadurch kann eine Meinung überprüft, verteidigt oder widerlegt werden. Die angeführten Gründe wiederum müssen selber gerechtfertigt und plausibel sein. Eben dieses Aufteilen, Zerlegen und Begründen, das bedeutet ja „analysieren“, hat dieser philosophischen Methode den Namen […]